Was ist Blutsverwandtschaft? (RAI Südtirol)


Verwandtschaftstafel. PD ChrisR

Verwandtschaftstafel. PD ChrisR

Folgende Fragen wurden von der Hörerin Maria aus Martell eingesendet und durch Moderatorin Erica Corbellini für „Sie stellen die Frage – wir suchen die Antwort” an mich gestellt (gesendet in der RAI Südtirol Radiosendung „Von zwei bis fünf – Das Magazin am Nachmittag“ vom 5.11.2014 um 15:15, Wiederholung am 6.11. um 9:15):

Was versteht man unter Blutsverwandtschaft?

Blutsverwandt ist man über gemeinsame biologische Vorfahren. Blutsverwandte teilen von gemeinsamen Vorfahren vererbte DNA und somit Gene.

Wie lässt sich der Verwandtschaftsgrad berechnen?

Für den genetischen Verwandtschaftgrad wird die Anzahl der Zeugungen zwischen den betrachteten Personen und dem nähesten gemeinsamen Vorfahren gezählt. Z.B. zur eigenen Nichte: Eins zu den Eltern, zwei zum Geschwister und drei zur Nichte.

Wo findet die Blutsverwandtschaft Anwendung?

  • Für die Verleihung der Staatsbürgerschaft ist die Abstammung von zumindest einem Elternteil desselben Staates Voraussetzung.
  • Das Gesetz verbietet als Inzest Beziehungen von Paaren, welche 50% des Erbguts teilen, also von einer Person mit einem Elternteil, Kind oder Geschwister.
  • Für katholische Ehepaare war bis zum siebten Grad der Verwandtschaft, also Cousinen dritten Grades, eine gesonderte Erlaubnis notwendig, Dispens genannt, welche bis vor wenigen Generationen in den Dörfern nicht selten notwendig war.
  • Beim Erben ist biologische und rechtliche Verwandtschaft gleichgestellt, z.B. uneheliche mit adoptierten Kindern. In diesem Zusamenhang finden Abstammungsgutachten zur Feststelltung der Vaterschaft Anwendung.
  • Die Biomedizin interessiert sich für Vererbung und Auswirkung von genetischen Eigenschaften. U.a. an der EURAC in Bozen werden isolierte Bevölkerungen diesbezüglich studiert.
  • Populationsgenetik und Genetische Genealogie wenden DNA-Tests kombiniert mit Vererbungsregeln an, um nahe und entfernte Verwandtschaft zu untersuchen bzw. zu finden. Mit diesen Fachgebieten beschäftige ich mich intensiv, vor allem um die Genese der Südtiroler und benachbarten Bevölkerungen im Mittelalter und vorher zu verstehen.

Aufnahme der Sendung als MP3:

 

Kontakt zum Genealogen C. Rottensteiner siehe Projekt RSGen.

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